Von: Chris Karner <null@spam.ac.at>
Foren: at.freizeit.motorrad
Betreff: Ein Sixpack in Suedtirol
Datum: Tue, 25 May 2004 02:05:15 +0200
Nachrichten-ID: <r0u4b09f6so1am33hakp19s81iv5g2188q@4ax.com>

Hi!

Leider schwächelt der Rest der Partie genauso wie bei der An&Abreise,also schreib ich ein paar Zeilen zu unserem Kurzurlaub in Südtirol.

Wie wahrscheinlich bekannt, hat sich die Zusammensetzung des Sixpacks durch verschiedene Umstände erst kurz vor Urlaubsantritt ergeben. Mit dabei waren also k.rin, Benny, Hubsi, Thomas, Willy und als letzte Flasche im Bund meine Wenigkeit.

Wie sich's für alte und noch ältere Semester gehört, haben sich die fünf Senioren (uiii, die k.rin wird mich hauen) in 2 Blechdosen gequetscht und mich als einzigen Verfechter der reifenmordenden Anreise ins Feld geschickt.

Die liebe Frau Rin und der Mr.SiebzigProzent-Benny haben die 5 Schrotthaufen, die sie Motorräder nennen, im Bus und am Anhänger verstaut und sind den Klassiker übers kleine Germaneneck gefahren, nicht ohne sich per Videobeweis in die Annalen von Flensburg einzutragen. Seitdem darf Reinhard beim Scrabble keine B, M und W mehr verwenden, weil er sonst mit Schaum vorm Mund was von +48 km/h winselt und mit glasigen Augen in sein Bier heult.

Willy, Hubsi und Thomas starten erst nach Willys unglaublich wichtigem Mittwochnachmittagstermin (beim Wirtn) und bilden derweil eine Fahrgemeinschaft. Man hört da was von hergebrannten Ferraris am Brenner, aber naja. Sie sind jedenfalls die letzten in Welschnofen.

Tja, ich nutz den Tag und start vom WE-Haus und schwing mich nach den ersten paar km S6/S36 über die Turracher Höhe gemütlich ein, um mich dann per Defereggental und Staller Sattel (immer wieder ein Genuß) für das Finale Furioso aufzuwärmen. Von Bruneck südwärts geht's über die Panoramastraße im Gadertal weiter mit Passo di Campolongo, Passo di Pordoi, Val di Fassa rauf über den Karerpass und runter nach Welschnofen. Ich steig lockerflockig und entspannt nach ~600km vom Bock, während k.rin und Ihr Holder müde und durchgeschwitzt aus dem Bus kullern. Gutes Timing. Besser jedenfalls als das der drei Damen vom Grill, die erst weit nach Mitternacht an der Herbergstür klopfen.

Tja. Jetzt sollte ich eigentlich mit dem nächsten Tag fortfahren, doch zwischen zwei Tagen liegt ja normalerweise die Nacht, die man normalerweise zum Schlafen verwendet. Hmm. Irgendwie haben sich aber scheinbar 54 verrückte Waldarbeiter auf Speed mit ihren Fichtenmopeds und dazu 32 koksende Bauarbeiter mit Preßlufthammern im gleichen Zimmer einquartiert. Macht nix, hör ich wenigstens den aus dem Badezimmer startenden Jumbojet nicht. Der Hubsi hat das alles komischerweise nicht gehört.

Wie auch immer, am Donnerstag geht's mit den ersten Pässen los, darunter Penser Joch, Jaufenpaß, Mendelpaß, etc. Einer leiwander als der andere, ein besonderes Schmankerl ist allerdings die Rennstrecke bei Ritten. *umpf* Asphalt in allerbester Qualität, von Meistern der Straßenbaukunst auf viele, viele Kurven, Kehren, Biegungen und Krümmungen verteilt. Manchmal glaube ich, ich trage den Helm nur, damit mich die anderen nicht brüllen hören.

Am Ende des Tages schauen ein beschämender km/h-Schnitt, eingefahrene Reifen und glückliche Gesichter heraus :-)

Freitags geht's ab über den Passo di Lavazé ins Cembra-Tal. Leider ist eine Seite des Tals eine Sackgasse (wegen einer Sperre), aber der Weg bis dorthin ist alleine drei, vier Brüller wert. *muuuuuuaaaaaahhhhh*

Also wird auch die andere (westliche) Seite des Tals unter die Räder genommen - die ist zwar etwas langsamer, dafür noch interessanter zu fahren. Eindeutige Empfehlung für alle ST-Urlauber.

Passo di Rolle und ein paar andere Schmankerl folgen, die genaue Route hab ich mir leider nicht gemerkt, da Benny den LotP mit geradezu meisterhafter Zielgenauigkeit macht und keine Notwendigkeit besteht, eine Karte zu zücken. Irgendwo auf dem Weg zum Passo di Duran (glaub ich) erwischt uns ein Gewitter. K.rin zeigt sich *etwas* wasserscheu, flüchtet wild gestikulierend mit einem Burnout und anschliessendem Dreigang-Wheelie und detoniert in einem Gasthaus, in dem wir vom abscheulichsten Kleinkind der Weltgeschichte (nein, der Reinhard ist nicht gemeint) genervt unsere dringend notwendigen Koffeinbomben runterstürzen. Die Schifferei will leider kein Ende nehmen, also werden die Regenkombis übergestreift (sofern vorhanden *chchch*). Die Weiterfahrt bei strömenden Regen hat was - was, darüber gehen die Meinungen auseinander - aber die letzten paar km vor der Rückkehr sind bereits wieder bei Sonnenschein zurückgelegt. Um die abermals beschämende Kilometerleistung etwas aufzubessern, lasse ich die Seniorenpartie ihre Bandscheibenvorfälle, rheumatischen Beschwerden und sonstigen altersbedingten Ausfallserscheinungen im Hotel bequatschen, während ich nochmal den Karerpaß und den Nigersattel begutachte. Liegen ja praktisch vor der Haustür unseres Hotels. Aufgrund meiner Helmbrüller beenden die ansässigen Jäger die Jagdsaison, weil ja anscheinend die Brunftsaison begonnen hat. Wieder ein paar Hirsche gerettet. Das freut auch Mr.SiebzigProzent-Benny.

Willy gibt mir Freitag abend die einzige Munition (Ohropax -200dB) gegen die manischen Wald- und Bauarbeiter, also kann ich wenigstens ab und zu ein paar Minuten in die R.E.M.-Phase eintauchen. *aahhh*

Samstag versteh ich die Welt nicht mehr, als ich am Frühstückstisch nur lange Gesichter seh.

Tom: "Ich bin zwar Regen gewohnt, aber das ist zuviel, ist es nicht?"
Willy: "I mog net schon bei Regen wegfoahrn."
Hubsi: "Ich hab Hunger."
k.rin: "Ich schau mir die Lederleich' in Bozen an."
Benny: "70% der Menschen lieben Tiere."

Ich: "Wozu gibt's a Regenkombi?"

Also zuckeln die 5 Freunde in der Dose nach Bozen, während ich wie gehabt über den Karerpaß und den Nigersattel nach Blumau fahr. Ich glaubs nicht, aber auf der anderen Seite vom Rosengarten (2981m hoch) ist bussifeinst trockener Asphalt der edelsten Sorte anzufinden. Also rauf-runter-rüber-zurück-rauf-runter-rauf zwischen Seis und Nigersattel. Zum erstenmal seit ich die Fazer hab, merk ich *leichte* Fahrwerkschwächen (wie's so schön heißt). Will sagen, der extrem griffige Asphalt und der erstaunlich tapfere Roadtec hinten überfordern anscheinend das Federbein. Oder mich. Naaaa, das Federbein.

Zum Schluß geht's bei heftigem Regen nochmal rauf auf den Passo di Lavazé (mein absoluter Favorit), wo noch ein Grüppchen aus Österreich (SR? Wasisndas?) samt übermotiviertem Z1000 Treiber gerichtet wird *muuuhahaha* und mir somit einen würdigen Abschluß des Tages beschert. Da schmeckt das abendliche Bier gleich doppelt so gut :-)

Den Tag der Heimreise überspringe ich nun lieber, da das Posting eh schon sämtliche Limits sprengt und mir die 5 Senioren mit bleibender Verformung meiner Gliedmaßen gedroht haben, sollte ich was von leiwanden Bedingungen am Sonntag erzählen - sie müssen, äh dürfen ja in der Dose heimfahren.

Also verschweige ich, daß ich bei Sonnenschein und bestem Wetter über Karerpaß, Val di Fassa, Pordoi, Falzarego und Tre Croci Südtirol verlasse, nach einem Verfahrer die Turracher Höhe (*brrr*) ein zweitesmal beschwuchtel und schließlich trockenen Fußes daheim ankomme.

Insgesamt also 2000km, die außer S6/S36 nur aus geilen Strecken bestanden haben, und die Gewißheit, daß ich nächstes Jahr unbedingt wieder eine der Flaschen dieses absolut genialen Sixpacks sein möchte!

Chris

Und jetzt geh ich meine Schreibgriffel verarzten.

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FZS1000 '02-'xx 21Mm "Der fliegende Teppich"
CB500 '95-'02 70Mm


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